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Parkinson: Wie Apotheker helfen

Viele Menschen, die an Morbus Parkinson erkrankt sind, benötigen mehrere Medikamente. Apotheken helfen mit individuell abgestimmten Plänen bei der korrekten Einnahme
von Christian Krumm, 20.09.2017

Trippeln oder Schlurfen: Gangstörungen sind typisch für Parkinson

W&B/Lemrichs

Zitternde Hände, schlurfender Gang oder trippelnde Schritte, dazu eine maskenartige Mimik – das sind nur wenige der typischen Symptome eines Parkinson-Patienten. Für die Behandlung der Krankheit, die sich meist bei Menschen über 60 Jahren zeigt, stehen mittlerweile zahlreiche Wirkstoffe zur Verfügung. Doch die Therapie ist komplex.

Denn Pa­tienten müssen meist mehrmals täglich Medikamente einnehmen, um die Symptome einigermaßen unter Kon­trolle halten zu können. Dazu kommen oft Neben- und Wechselwirkungen mit anderen Präparaten, die sie zusätzlich nehmen müssen.

Was ist Parkinson?

Bei Betroffenen gehen bestimmte Zellen im Hirnstamm zugrunde. Die Folge: Der Botenstoff Dopamin wird nicht mehr ausreichend gebildet. Dann treten diese Symptome auf:

 

  • Akinese: Bewegungsabläufe werden langsamer, etwa in der Gestik und Mimik oder beim Sprechen. Das Problem zeigt sich aber auch in Trippelschritten und einem schlurfenden, gebückten Gang.
  • Rigor: Angespannte, steife Muskulatur.
  • Tremor: Zittern, das sich vor allem in Ruhe oder unter Anspannung verstärkt.
  • Posturale Instabilität: Gestörtes Gleichgewicht beim Gehen und Stehen.

Parkinson-Fortbildungen für Apotheker

Umso wichtiger ist für die Betroffenen, dass sie über ihre Erkrankung und die Behandlung umfassend informiert und beraten werden. Im Rahmen von Spezialfortbildungen sollen künftig viele Apotheker intensiv geschult werden, um Patienten noch gezielter betreuen zu können. Das geschieht in enger Zusammenarbeit mit der Deutschen Parkinson-Vereinigung (dPV). "Bei der Betreuung von Parkinson-Pa­tienten haben Apotheken vor Ort den klaren Vorteil, ganz nah dran, schnell verfügbar und persönlich ansprechbar zu sein", sagt dPV-Geschäftsführer Friedrich-Wilhelm Mehrhoff.

Neben Medizinern sind auch Apothekerinnen und Apotheker an der Schulung beteiligt. Eine von ihnen ist Dr. Sabrina Schröder. Zusammen mit einem Kollegen und den Fachgesellschaften hat sie ein Schulungskonzept entwickelt. Schröder leitet selbst eine Apotheke in Bochum und kennt die Bedürfnisse von Parkinson-Patienten genau: "Viele von ihnen sind mit ihrer Therapie überfordert."

Sabrina Schröder: Fit für die Beratung

W&B/Carsten Behler

Viele Patienten sind überfordert

Häufig sind die Patienten darauf angewiesen, mehrere Medikamente über den Tag verteilt anzuwenden. Je nach individuellem Lebensrhythmus benötigen die Patienten mal schnell wirksame Präparate, dann wieder verzögerte (retardierte) Mittel, um die Symptome tagsüber möglichst gleichmäßig zu unterdrücken. Dazu kommen oft noch weitere Medikamente, beispielsweise gegen Bluthochdruck.

Verschlechtern sich die Symptome im Lauf der Zeit, bringen die Erkrankten das mitunter gar nicht mit ihrer Medikation in Verbindung. "Pa­tienten benötigen fachliche Beratung, wenn eine Veränderung ihrer Therapie nötig ist", meint Sabrina Schröder. Wenn der Patient beispielsweise das Medikament Levodopa einnimmt, kann mit der Zeit die Wirkung nachlassen. Dann sind eine Dosisanpassung oder auch zusätzliche Arzneien erforderlich. Zappelige, schaukelnde Bewegungen oder Halluzinationen könnten dagegen auf eine Überdosierung der Parkinson-Mittel hindeuten.

Beschwerden werden beim Arztbesuch oft verschwiegen   

Beim Arzt würden viele eine Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes nicht ansprechen – nicht zuletzt, weil Kontrolltermine oft zu weit auseinanderliegen und dann auch nur wenig Zeit zur Verfügung stehe. Ein gut geschulter Apotheker könne durch gezieltes Nachfragen die Probleme aber erkennen und den Patienten zu einem kurzfristigen Arztbesuch motivieren.

Zudem leiden Parkinson-Patienten häufig unter ve­getativen Symptomen wie Übelkeit, Verdauungs- oder Schlafstörungen, Schweißausbrüchen, Blasenfunk­tionsstörungen oder auch Depressionen und Ängsten. Diese Beschwerden würden oft noch zu wenig beachtet, so die Bochumer Apothekerin. Eine Selbstmedikation hält sie nur in sehr begrenztem Maß für sinnvoll: "Die Therapie muss in der Regel der Arzt auswählen."

Zeitintensive Beratung

Für die Beratung von Parkinson-Patienten nimmt sich Sabrina Schröder viel Zeit, oft dauert das Erstgespräch ein bis zwei Stunden. Dabei zeigt sich in vielen Fällen, dass die Patienten zu wenig über ihre Erkrankung und deren Behandlung wissen. Die Apothekerin erarbeitet dann gemeinsam mit dem Erkrankten genaue Einnahmepläne für alle Arzneimittel und berücksichtigt dabei unter anderem auch seinen individuellen Lebensrhythmus.

Bislang wurden bei dem Fortbildungsprojekt rund 70 Apotheker geschult und zertifiziert. Künftig sollen die Schulungen bundesweit angeboten werden.



Bildnachweis: W&B/Lemrichs, W&B/Carsten Behler

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